Bike-Urlaub in Verbier und im Aostatal – 10 Tage Trails, Gletscher und Gewitter

Vom 11. bis 20. Juli waren Teresa und ich mit den Bikes in den Westalpen unterwegs: zuerst Verbier in der Schweiz, dann über den Großen St. Bernhard ins Aostatal – La Thuile, Cogne, Aosta – und zum Ausklang noch an den Gardasee. Zehn Tage, zwei Länder, unzählige Höhenmeter und mehr Gewitter, als uns lieb war. Hier der Reisebericht.
Verbier: Enduro-Trails zwischen Gletschern
Verbier stand schon lange auf meiner Wunschliste – und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Verbier ist kein klassischer Bikepark mehr, sondern ein richtiges Enduro-Trail-Center: Auf vier Talseiten kann man Trails und Touren fahren, und über allem thronen der Grand Combin und seine Gletscher.
Zum Abschluss des ersten Bike-Tages sind wir die Col-de-Mille-Supertour hinunter nach Bruson gefahren – 45 Kilometer, am Ende standen gut 3.400 Tiefenmeter auf der Uhr. Ein Trail-Klassiker, der sich jeden Höhenmeter verdient.



Am nächsten Tag ging es auf die andere Talseite: eine Tour auf den Mont Brulé, komplett selbst getreten (und stellenweise getragen). Dafür den ganzen Tag Gletscherblick und verblockte Trails – eine Gegend, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht.

Über den Großen St. Bernhard nach La Thuile
Am Abend des dritten Tages sind wir statt durch den Tunnel über die Passstraße des Großen St. Bernhard ins Aostatal gefahren. Die paar Minuten mehr lohnen sich absolut – allein für die Bergkulisse auf der Überfahrt. Unten angekommen ging es direkt weiter nach La Thuile auf einen kleinen, feinen Campingplatz.
Der Bikepark La Thuile hat uns extrem positiv überrascht: Die schwarzen Lines sind richtig harte, technische Enduro-Trails – und ziemlich steil. Ein besonderes Erlebnis war die Downhill-Weltcupstrecke: Im Fernsehen schaut sie immer leicht aus, in echt ist sie extrem steil, schnell und hat wenig freie Linien. Dass die Weltcup-Fahrerinnen und -Fahrer da so ballern – meinen vollsten Respekt. Nur der Mont Blanc, der eigentlich direkt vor der Nase steht, hat sich meist in den Wolken versteckt.



Am 15. Juli sind wir wegen der Wetterprognose nur eine kürzere Tour gefahren – und standen plötzlich vor den alten Befestigungsanlagen hoch über La Thuile: Steinmauern, Bunker und Tunnelanlagen, deren Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht und die in den 1930ern als Teil des Alpenwalls noch einmal massiv ausgebaut wurden.
Lange erkunden konnten wir sie nicht: Das erste Gewitter des Urlaubs zog genau auf uns zu und erwischte uns bei der Abfahrt – oben kurz gestresst, unten im Tal wieder entspannt und ziemlich nass. Zwei Tage La Thuile waren fast zu wenig.
Cogne und der Gran Paradiso
Weiter ging es nach Cogne. Auf der Tour zum Passo Invergneux hatte ich mir selbst ein Ei gelegt: Der frisch aufgezogene Super-Sticky-Reifen klebte bei der Hitze förmlich am Boden, während Teresa an diesem Tag richtig fit war und mir einfach davongeradelt ist.
Das Hochtal entschädigte für alles – überall Wasserfälle und Bäche. Dann kam Gewitter Nummer zwei, natürlich wieder früher als angesagt – wir kannten die Prozedur ja inzwischen. Zum Glück gewährte uns ein Hirte in seiner kleinen Almhütte Unterschlupf. Große Konversation gab es keine, brauchte es auch nicht: Dach überm Kopf, Gewitter vor der Tür. Nach einer halben Stunde konnten wir weiter – hinauf zum Pass, die letzten Meter mit dem Bike auf dem Rücken.




Hinter dem Pass wartete eine wunderbare Hochebene – links und rechts pfiffen die Murmeltiere, fast schon kitschig schön. Den Abend haben wir uns im Restaurant verdient: Polenta mit Steak für mich, Pilznudeln für Teresa.
Am Tag darauf blieben wir einfach am Campingplatz – halber Tag Nichtstun, halber Tag Arbeit, dazwischen Wasserfälle statt Tiefenmeter. Und immer der Blick auf den Gran Paradiso. Was für ein Tal.

Aosta: 3.500 Tiefenmeter und ein Taxi in letzter Minute
Für den letzten großen Tag sind wir zurück nach Aosta – geplant war die Tour über den Gipfelgrat der Punta Leysser. Mit zunehmender Höhe nahm allerdings auch der Wind extrem zu. Nach langem Hin und Her am Gipfel haben wir uns fürs Umkehren entschieden – und als wir anderen Bikern zuschauten, denen der Wind die Räder am Grat einfach zur Seite fegte, waren wir ziemlich froh darüber. Umdrehen ist manchmal die beste Linie.


Stattdessen sind wir den Trail hinuntergefahren, den wir hinaufgetragen hatten – überraschend lustig – und dann als Alternative den Trail von der Becca France Richtung Aosta. Der obere Teil: unglaublich cool. Die letzten Meter ins Tal: eher mühsam. Am Ende standen 3.500 Tiefenmeter auf der Uhr – und das Auto 1.000 Höhenmeter über uns.
Uber? Fehlanzeige. Die lokalen Taxis legten einfach auf. Als ich schon aufsatteln wollte, bog zufällig ein Taxi um die Kurve – und mit einer „Motivation“ von 100 Euro shuttelte uns der Fahrer doch noch hinauf. Im Nachhinein: ein super Tag. Auch wenn er sich am Schluss kurz nicht so anfühlte.

Ausklang am Gardasee
Am vorletzten Tag ging es Richtung Gardasee – über uns immer wieder die beeindruckenden Canadair-Löschflugzeuge im Einsatz gegen Waldbrände. Am See wollten wir den Urlaub mit einem schönen Abendessen ausklingen lassen. Dumm nur: WM-Finale, alles ausgebucht, sogar das Takeaway. Wir ließen uns nicht entmutigen, genossen den Sonnenuntergang und aßen eben vor unserem Auto. Am nächsten Tag nach einem kurzen Schwimmstopp: Heimfahrt.

Fazit
Verbier und das Aostatal werden mich wiedersehen. Ein geniales Gebiet zum Biken: unglaublich schön, unglaublich vielfältig – und erstaunlich wenig los. Wer Enduro-Trails, einsame Hochtäler und echte Alpenkulisse sucht, wird hier fündig. Und wer vorher noch an seiner Fahrtechnik feilen will, weiß ja, wo er uns findet.

